Alexandra Götze | Stiller Boykott
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Ob Parkplatz-Putsch oder Toiletten-Tumult. Vom stillen Boykott der Arbeitnehmer.

Schon mal gesehen? In der Tiefgarage oder am Drucker, an der Kaffeemaschine oder im Meetingraum, vor der Kantine und sogar in der Toilette: An nahezu jedem Ort in deutschen Firmen bekommen Angestellte durch mehr oder minder professionell gestaltete Hinweisschilder gesagt was sie zu tun oder zu lassen haben. Überall prangert, steht, klebt oder hängt eine solche Verhaltensempfehlung, die den Mitarbeiter zur Ordnung rufen soll.

Wohlgemerkt SOLL – denn während der Eine noch voller Tatkraft das (jetzt aber wirklich) lustigste Gedicht zum Thema Fäkalstreifenbeseitigung googelt, um es dann mit einer perfiden Mischung aus Selbstzufriedenheit und Fürsorglichkeit an die Toilettentüren zu kleistern, fragt sich der Andere bereits, warum man eigentlich der einzige Dumme ist, der diesen Anweisungen Folge leistet?

  • Wenn nur die Chefs dort parken dürfen, warum steht dann das Auto der Angestellten da?
  • Wenn drucken der Umwelt schadet, warum sind dann die Abfalltonnen voller bunter PowerPoint Folien?
  • Und wenn es Klobürsten gibt, warum … ach, lassen wir das.

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, warum es diese Anweisungen überhaupt gibt, wenn sie sowieso nicht befolgt werden? Was ist das Ziel und zu welchem Zweck werden sie platziert? Und allem voran:

Was passiert eigentlich, wenn man sich nicht an diese Anweisungen hält?

Wahrscheinlich kennen Sie die Antwort bereits – oder haben Sie schon mal beobachtet, dass ein Kollege zurück in den Meetingraum zitiert worden wäre, um die schnoddrige Kaffeetasse wegzuräumen, die er dort „vergessen“ hat? Oder sind Ihnen gar Kollegen bekannt, die jemals dafür belangt wurden, dass sie die Toilettenschüssel eben doch nicht so hinterlassen haben, wie es der Klebemax sich gewünscht hätte?

Sehen Sie! Ich auch nicht. Ich kenne im Übrigen auch niemanden, der jemals dafür genötigt worden wäre, auf dem falschen Parkplatz in der Tiefgarage zu stehen.

Also machen wir es kurz. Die Antwort auf die Frage lautet: NICHTS.

Den Mitarbeitern passiert nichts, wenn Sie diese Verhaltensempfehlungen nicht befolgen. Sie mögen dann zwar für andere einen miesen Charakter haben oder Teamschweine sein. Aber ob man als Arbeitnehmer dieses Übereinkunftsangebot annimmt oder nicht, ist – wenn einem schon sonst nichts bleibt – immer noch die eigene Entscheidung!

„Nö, will ich nicht, seh´ ich nicht so …“. Das „Nein“ des Mitarbeiters ist somit seine Art zu sagen „Ich mache nicht mit“. Ein stiller Boykott, der keine Konsequenz mit sich zieht. Macht revoluzern so nicht am meisten Spaß?

Womöglich ein Stimmungsbarometer?

Ist der Zweck dieser Hinweisschilder dann vielleicht sogar eine gewisse Fürsorge der Arbeitgeber? Eine Art Freiwilligenprogramm für bocklose und genervte Mitarbeiter? Denn eigentlich nervt den Angestellten ja der blöde Chef, die fiese Kollegin oder die bescheuerte Aufgabe. Aber sag‘ das Mal einer laut! Dann doch lieber die Kaffeetasse nicht wegräumen oder 120 Seiten ausdrucken und sofort wegwerfen. Jooaa, das würde gehen.

Ist die Ignoranz der Mitarbeiter womöglich als eine nonverbale Abmahnung an das Unternehmen zu sehen? Und wäre die Anzahl der missachteten Verhaltensempfehlungen dann sogar das eigentliche Stimmungsbarometer der Belegschaft?

Falls dem so ist, würde sich für Chefs ein Blick in Küche, Meetingraum oder Tiefgarage viel mehr lohnen, als die jährliche Umfrage zur Mitarbeiterzufriedenheit. Und billiger wäre es allemal.

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Alexandra Götze

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