Alexandra Götze | Work-Life Balance – was können, wollen, dürfen Sie?
785
post-template-default,single,single-post,postid-785,single-format-standard,ajax_updown,page_not_loaded,,vertical_menu_enabled,wpb-js-composer js-comp-ver-5.1.1,vc_responsive
Business & Personal Coach Wiesbaden, Frankfurt, Mainz

Work-Life Balance – was können, wollen, dürfen Sie?

Gastkommentar im Campus Smart Buch “Consulting Cookbook” Der Guide zum Einstieg in die Unternehmensberatung

Wenn Sie sich mit Work-Life-Balance im Kontext von Unternehmensberatungen auseinandersetzen, kommen Sie an den Faktoren „können, wollen und dürfen“ nicht vorbei. Diese drei Begriffe werden Ihnen in Ihrer beruflichen Laufbahn übrigens immer wieder begegnen. Falls Sie zum Beispiel planen, Führungsverantwortung zu übernehmen hilft Ihnen dieser Dreispänner bei der Frage, wie Mitarbeiter zur mehr Leistung durch Motivation angestoßen werden können. Denn Leistung definiert sich nun mal aus:

Können (Fähigkeit) x Wollen (Bereitschaft) x Dürfen (Möglichkeit).

Warum ich der Meinung bin, sich dem Thema Work Life Balance auch mit Beachtung dieser Triade zu nähern, verrate ich Ihnen gerne. Ich kenne keine Unternehmensberatungen, in welchem Sie nicht eine höchst individuelle Work-Life Balance leben dürfen. Dafür kenne ich viele Berater, die eine Work-Life Balance schlichtweg nicht können!

Doch eins nach dem anderen. Beginnen wir mit der Definition von Work-Life Balance und der Frage des „wollens“:

Work-Life Balance meint nichts Geringeres, als einen Zustand, der das Arbeits-und das Privatleben miteinander in (zeitlichen) Einklang bringt. Das hört sich nicht besonders komplex an – vor allem, wenn man an sich schon ein guter Planer und Organisator ist. Man wird ja wohl noch mal (fair) Zeit für das eine und das andere einplanen können. Aber warum klagen dann so viele Menschen darüber, dass Ihr Work und Life nicht in Balance ist? Warum arbeiten Menschen über ihre natürlichen Ressourcen hinaus und sind ständig abrufbereit? Wollen viele vielleicht gar keine Work-Life Balance?

Ich kann Ihnen sagen, dass mir in meiner über 20-Jährigen Karriere nicht ein Mensch begegnet ist, dem der Ausgleich Beruf vs. Privat nicht wichtig war. Es lässt sich bei einem übermäßigen Anteil von Arbeitnehmer wahrscheinlich gut behaupten, dass der Mensch eine Work Life Balance will. Wie das „wollen“ dann ausgestaltet wird, ist natürlich höchst subjektiv. Wann und ob man das Gefühl hat, dass das Arbeits-und Privatleben in Einklang ist und welche Parameter dafür entscheidend sind, definiert der Arbeitnehmer höchst selbst. Manche Menschen sprechen von Balance, wenn am Ende des Arbeitstages noch eine Stunde für persönliche Dinge übrig ist, andere wiederum empfinden sich erst als „ausbalanciert“, wenn die gleiche Zeit in Arbeit, wie in das Treffen mit Freunden investiert wurde. Jeder also nach seinem Gusto – jeder so, wie er will!

Nun zum Thema „dürfen“: Unternehmensberatungen sind sich meist bewusst darüber, dass ihre Mitarbeiter ihr wichtigster Asset sind, eben das Humane (Anlage-) Kapital, ohne die im Kundengeschäft gar nichts ginge.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass – gerade Beratungshäuser – im Bereich Care & Benefits für die eigenen Mitarbeiter die Nase vorn haben! Du brauchst ein Jahr off? Kein Problem! Willst Dich mal im sozialen Bereich ausprobieren? Logo! Haben wir, organisieren wir für Dich! Firmenwagen, Erstklassiges IT Equipment, Senator Status und super Projektfeten natürlich auch noch inklusive. Dafür sind Beratungen bekannt, das war schon immer so und ist (mit kleinen compliance Anpassungen) auch so geblieben. Mit dem Einstieg in ein Beratungsunternehmen entscheiden Sie sich auch heute noch für den Robinson Club unter den Karrierehäusern. Das All-Inclusive-we-care-more-Paket für jeden Mitarbeiter.

Es steht daher außerhalb jeder Frage, dass Sie dort auch Ihre gewünschte Work-Life Balance leben dürfen. Damit Sie dem Unternehmen weiterhin mit Ihrer Arbeitskraft zur Verfügung stehen, sind Beratungen bereit, unglaublich viel Kompromisse einzugehen.

Somit setzen wir also ein Haken hinter das „wollen“ und das „dürfen“. Schauen wir auf das „können“:

Ich erzähle sicher nichts Neues, wenn ich Ihnen sage, dass der Karriereschritt in eine Unternehmensberatung auch immer ein Schritt in ein ausgeprägtes Leistungsunternehmen ist.

Vielleicht haben Sie auch schon von Folgendem gehört: Mitarbeiter in Beratungsunternehmen scheuen den (kollegialen) Leistungsvergleich nicht. Den Mitarbeitern ist bewusst, dass sie in einer Dienstleistungsbranche arbeiten und die Arbeit für/mit/am Kunden höchste Priorität hat. Diese Mitarbeiter schätzen vor allem die innovativen Aufgaben, den lösungsfokussierten Ansatz und die Arbeit in hoch motivierten Teams. Sie wissen, dass Sie zwei Mal im Jahr von ihrem Chef beurteilt werden, und dass sich davon nicht nur der Bonus ableitet. Viel wichtiger: Die Beurteilung sagt den Mitarbeitern, wo sie sich – im Vergleich zu den direkten Kollegen – im Leistungssystem befinden. Sind sie below, consistent, above oder sogar „at the very top“ perfomer? Diese „Auszeichnung“ ist oftmals der Dreh- und Angelpunkt des Beraterschaffens. Und übrigens auch einer der maßgeblichsten Treiber, gerade für junge Unternehmensberater!

Beratungsunternehmen fordern zur ultimativen competition raus: Wer schafft es, aus der Masse der Hochleistungskollegen noch ein Stück hervor zu ragen? Wer wird am Ende des Jahres mit der Anerkennung belohnt, die jeder verdient hätte? Und wer darf sich auch in diesem Jahr die Enttäuschung darüber nicht anmerken lassen, dass der Kollege wieder an einem vorbeigeschossen ist? Mit einer „gezwungenen Verteilung“ von 50 % aller Mitarbeiter im „Normbereich“, heißt es für eine Menge Kollegen ein Mal im Jahr, wieder unten anzufangen, am langen Arm der Anerkennung. Leistung hat im Beratungsgeschäft kein Langzeitgedächtnis – neues Jahr, alles auf Anfang. Jeder hat die gleiche Chance, das Spiel beginnt von vorne. Wer kann sich wieder aufraffen und doppelt Gas geben?

Was das nun mit der Work Life Balance zu tun hat? Alles!

Denn während man aufs Gas treten will, fällt einem ein, dass man doch im kommenden Jahr etwas kürzer treten wollte. Mehr Sport, weniger Arbeit. Vielleicht mal einen Tag pro Woche frei. Doch der Zeitpunkt könnte schlechter nicht sein, will man doch gerade jetzt beweisen, was man kann. Jetzt hat man so geschuftet….(und übrigens: dem „at the top“ perfomer geht es nicht anders – der will natürlich da oben bleiben…)

Was klar sein sollte: Mit dem Start in diese Leistungsunternehmen geht man einen Deal ein: Leistung gegen…nein, nicht Geld! Leistung gegen Anerkennung. Leistung gegen „dazugehören“! Wer leistet, ist nun mal gern gesehen, high five für die extra Meile, super Job– wir danken Dir! Nimm die Beförderung und den spitzen Job beim A++ Kunden gleich dazu. Machen wir uns nichts vor – dieser Dank ist so viel mehr wert als Bares!

Ich höre bereits die empörten Ausrufe: “Aber Leistung kann man auch in 20 Stunden pro Woche oder in nur 6 Stunden pro Tag erbringen.“ NATüRLICH kann man das! Aber das ist nicht der Deal (und übrigens auch nicht das Geschäftsmodell! Wir reden hier immer noch vom High-Class Dienstleistungssektor).

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Noch ist es so, dass in Beratungshäusern die Leistung einer 45+ Woche mehr Beachtung findet, als die gleiche Leistung in 20 Stunden. Die gute Nachricht: In ein paar Jahren wird man diese Ansichten neu bewerten müssen. Ein Hoch auf den demografischen Wandel, den Fachkräftemangel und die aktuellen Wertediskussionen!

Sie sehen also: In Unternehmensberatungen Work-Life Balance zu KöNNEN bedeutet, in der Lage zu sein, die Abhängigkeit von Anderen und die Anerkennung von außen auf das Geringste zu reduzieren. Nicht viele können diese „Andersartigkeit“, diesen „Schritt zur Seite“ aushalten.

Eins noch: Ich habe etliche Mitarbeiter erlebt, die die Schuld ihrer nicht stattfindenden Work Life Balance nur zu gerne auf das Unternehmen abgewälzt haben. Meines Erachtens ist das viel zu kurz gedacht. Der Mitarbeiter selbst hat die Verantwortung über die eigene Lebensgestaltung und trifft eigene Entscheidungen. Und gerade mit dem Schritt in die Unternehmensberaterbranche weiß man, worauf man sich einlässt. Das heißt nicht, dass das Management der Beratungshäuser die firmeninterne Haltung zum Thema Leistung nicht unbedingt überdenken müsste. Aber das steht nun mal auf einem anderen Blatt.

No Comments

Leave a Comment